Babel auf der Hundewiese

Es gibt Momente, da wird einem klar: Die Menschheit ist sprachlich weiter entwickelt als je zuvor – und gleichzeitig völlig verloren. Ein kurzer Besuch auf der Hundewiese genügt, und man versteht, warum der Turmbau zu Babel damals scheitern musste.

Zur Erinnerung: Damals wollten die Menschen hoch hinaus, sprachen aber plötzlich nicht mehr dieselbe Sprache. Ergebnis: Verwirrung, Chaos, Abbruch.
Heute bauen wir keine Türme mehr – wir gehen Gassi.

Die Szene ist schnell erzählt: Begegnung auf neutralem Terrain. Zwei Hunde, zwei Menschen, ein grundsätzlich friedlicher Morgen. Mein Hund Una ist angeleint, aufmerksam, aber entspannt. Uns entgegen kommt eine andere Hundebesitzerin mit ihrem Vierbeiner.

Man nähert sich. Die Hunde mustern sich. Alles noch im grünen Bereich.

Und dann beginnt die Kommunikation.

Die Besitzerin hebt den Zeigefinger. Eine klare Geste. In der internationalen Hundesprache – soweit es sie gibt – bedeutet das: „Sitz.“ Ein Klassiker. Verständlich. Bewährt.

Doch was sagt sie?

„Aufpassen!“

Nun ist „aufpassen“ ein wunderbares Wort. Vielseitig. Flexibel. Leider auch ungefähr so präzise wie eine Wettervorhersage im April.

Denn während sie offenbar meint: „Setz dich ruhig hin und benimm dich“, hört ihr Hund – und ehrlich gesagt auch meiner – etwas ganz anderes:

„Achtung! Situation! Sei wachsam! Eventuell Gefahr!“

Das Ergebnis ist… vorhersehbar.

Der Hund setzt sich nicht. Warum auch? Niemand hat ihm das gesagt. Stattdessen spannt er sich an, fixiert, bellt. Mein Hund denkt sich: Alles klar, Alarmstufe Gelb – und antwortet höflich, aber bestimmt.

Binnen Sekunden haben wir eine akustische Eskalation, die sich wunderbar in die Kategorie „selbstgemachtes Problem“ einordnen lässt.

Und ich stehe daneben und denke:
Babel. Ganz eindeutig Babel.

Wir Menschen neigen dazu, mit Hunden so zu sprechen, als wären sie kleine, leicht begriffsstutzige Menschen mit Fell. Wir variieren Befehle, erfinden neue Wörter, mischen Tonlagen und Gesten – und wundern uns dann, wenn am Ende niemand mehr versteht, was eigentlich gemeint war.

Der Hund kann nichts dafür. Er arbeitet mit dem, was er gelernt hat. Klare Signale, klare Worte, klare Zusammenhänge. Wenn „Sitz“ immer „Sitz“ heißt, funktioniert das erstaunlich gut.

Wenn „Sitz“ aber plötzlich „aufpassen“, „jetzt mal hier“, „hör auf“ oder „bitte nicht“ bedeutet – dann steht der Hund da wie ein Bauarbeiter in Babel: bereit zu arbeiten, aber ohne Plan, in welcher Sprache heute gesprochen wird.

Das eigentlich Faszinierende ist: Die Verwirrung entsteht nicht beim Hund. Sie entsteht beim Menschen.

Wir erwarten Gehorsam, liefern aber Mehrdeutigkeit. Wir wünschen uns Ruhe, senden aber Alarm. Und am Ende wundern wir uns über ein Verhalten, das eigentlich nur eines ist: logisch.

Vielleicht wäre die Lösung ganz einfach. Weniger Kreativität, mehr Klarheit. Weniger Babel, mehr „Sitz“.

Denn am Ende wollen wir doch alle das Gleiche:
keinen Turm bauen, sondern einfach entspannt aneinander vorbeigehen.

Ohne Dolmetscher.

Jeden Tag eine gute – oder wenigstens keine schlechte Tat

Früher war die Welt noch einfach. Die Pfadfinder hatten ein klares Motto: Jeden Tag eine gute Tat. Ein schöner Gedanke. Edel. Ein bisschen anstrengend vielleicht, aber grundsätzlich machbar.

Heute Morgen habe ich beschlossen, das Ganze realistischer zu betrachten:
Jeden Tag eine gute – oder zumindest keine schlechte Tat.

Spoiler: Es lief durchwachsen.

Die Ausgangslage war harmlos. Gassi gehen mit Una. Frische Luft, ein bisschen Bewegung, ein bisschen Nachdenken über das Leben und andere große Themen. Dann kam der Hochwasserdamm. Steil. Schräge Fläche. Und genau dort – mit bemerkenswerter Zielgenauigkeit – setzte Una zu ihrer ganz persönlichen Tagesleistung an.

Ein Haufen. In Hanglage.

Nun gibt es Momente, in denen man als verantwortungsbewusster Hundebesitzer Größe zeigen müsste. Tüte raus, Balance halten, Hang sichern, vielleicht noch ein paar akrobatische Elemente einbauen – und das Problem wäre gelöst.

Und dann gibt es Momente, in denen man kurz innehält und denkt:
Das ist jetzt aber auch wirklich ungünstig.

Ich entschied mich für die zweite Variante. Ein schneller Blick nach links, nach rechts, ein innerliches „Wird schon keiner sehen“ – und weiter ging’s.

Man könnte sagen: keine gute Tat. Aber vielleicht auch noch keine schlechte. So eine moralische Grauzone mit leichter Schieflage – passend zum Gelände.

Ein paar Minuten später, gleiche Runde, andere Kurve.

Und plötzlich sehe ich ihn: einen Radfahrer. Angehalten. Am Wegrand. In eindeutiger Position. Die Natur ruft – und er nimmt den Anruf an.

In mir regt sich sofort der innere Ordnungshüter. Lautstark, empört, bereit zur Intervention.

„Toll! Muss das hier sein? Können Sie sich nicht eine andere Ecke für Ihr Geschäft suchen?“

Der Mann schaut auf, sichtlich überrascht, vielleicht auch ein wenig ertappt – und entschuldigt sich tatsächlich. Höflich. Einsichtig. Fast schon vorbildlich.

Ich gehe weiter. Ein kleines Gefühl von Genugtuung macht sich breit. Ordnung wiederhergestellt. Gesellschaft verteidigt. Mission erfüllt.

Und dann, ganz leise, meldet sich ein anderer Gedanke.

Moment mal…

Was wäre eigentlich gewesen, wenn dieser Radfahrer mich fünf Minuten früher gesehen hätte?
Dort am Hang. Mit Una. Und meinem sehr flexiblen Umgang mit der „Tüte-oder-nicht-Tüte“-Frage?

Hätte er mir zugerufen:
„Toll! Muss das hier sein?“

Und hätte ich mich dann auch so einsichtig entschuldigt?

Es ist einer dieser Momente, in denen die Welt kurz innehält und einem den Spiegel hinhält. Nicht in voller Größe, eher so handlich für unterwegs – aber deutlich genug.

Am Ende bleibt die Erkenntnis:
Die Grenze zwischen guter und schlechter Tat verläuft manchmal erstaunlich nah an der eigenen Bequemlichkeit.

Und vielleicht ist das moderne Pfadfinder-Motto gar nicht so kompliziert:
Nicht jeden Tag die Welt retten.
Aber vielleicht ab und zu den eigenen Maßstab überprüfen.

Und im Zweifel…
doch die Tüte nehmen.

Die eine Stelle

Jeder Hund hat seine Eigenheiten. Manche jagen Bälle, andere Socken, wieder andere philosophieren still vor sich hin, während sie ins Leere schauen. Mein Hund Una hingegen hat eine Mission. Eine Aufgabe. Einen Ort.

Eine Stelle im Garten.

Unscheinbar. Kein besonderer Boden, einfach ein Teil des Rasens neben unserem riesigen Rosmarin, kein Hinweis darauf, dass sich dort irgendetwas von Bedeutung befinden könnte. Für mich ist es einfach Wiese. Für Una offenbar das Epizentrum des Universums.

Denn egal, wie oft ich diesen Bereich wieder in einen halbwegs ansehnlichen Zustand versetze – glätte, auffülle, verdichte, nachpflanze, zurede – Una kehrt zurück. Zielstrebig. Konzentriert. Mit der Entschlossenheit einer Archäologin kurz vor dem Durchbruch.

Es beginnt immer im Geheimen. Nie lässt sie sich dabei beobachten. Einige Tage sind manchmal dazwischen aber immer wieder entsteht dort ein Krater, der entfernt an eine mittelgroße Ausgrabungsstätte erinnert.

Und ich frage mich: Warum?

Liegt dort ein Schatz? Ein Relikt aus vergangenen Zeiten? Hat Una etwas vergraben, das sie selbst nicht mehr findet? Oder ist es einfach ein geheimer Treffpunkt unterirdischer Mäuse, von dem nur sie weiß?

Die Fachliteratur liefert Antworten. Hunde buddeln aus Instinkt. Zur Futtersuche. Zur Beschäftigung. Aus Langeweile. Zur Temperaturregulierung. Zur inneren Ausgeglichenheit. Kurz gesagt: Sie buddeln, weil sie Hunde sind.

Das hilft mir ungefähr so viel wie die Erklärung, dass Regen nass ist.

Denn meine Frage bleibt: Warum genau diese Stelle?

Es gibt im Garten zahlreiche Alternativen. Flächen, die sich geradezu anbieten würden. Aber nein – Una hat sich entschieden. Und diese Entscheidung ist nicht verhandelbar.

Man könnte meinen, wir führen einen stillen Dialog.
Ich: „Bitte nicht schon wieder hier.“
Una: „Doch. Genau hier.“

Und während ich am Computer sitze und noch überlege, ob ich die Stelle vielleicht pflastern oder unter Denkmalschutz stellen sollte, ist sie wahrscheinlich längst wieder mitten in ihrer Arbeit. Voller Hingabe. Voller Überzeugung. Als hinge das Gleichgewicht der Welt davon ab.

Vielleicht ist es genau das, was mich so ratlos – und gleichzeitig ein wenig neidisch – macht. Diese Klarheit. Diese Zielstrebigkeit. Während wir Menschen oft nicht wissen, wo wir anfangen sollen, hat Una längst entschieden, wo es weitergeht.

Immer an der gleichen Stelle.

Am Ende bleibt mir also nichts anderes übrig, als die Situation zu akzeptieren und mich damit abzufinden, dass es in meinem Garten einen Ort gibt, der nicht mir gehört.

Sondern Una.

Und wer weiß – vielleicht entdeckt sie ja eines Tages tatsächlich etwas.

Bis dahin bleibt es ein Loch.

Und ein Rätsel.

Finde den Fehler

Nach langer Zeit verspüre ich einmal wieder die Lust zum Schreiben, denn nach einem schweren Landtagswahlkampf und einer für mich unverständlichen, aber sichtlich anwachsenden AfD-Beliebtheit frage ich mich, was passiert hier in unserem Land und auf unserer Welt eigentlich. Hier ein Beispiel:

Es gibt Orte, die mehr über den Zustand unserer Gesellschaft verraten als jede Talkshow. Mein persönlicher Favorit: ein Feldweg im Landschaftsschutzgebiet – idyllisch, ruhig, mit klarer Regel: Hunde bitte anleinen.

Klingt einfach. Ist es offenbar nicht.

Ich komme also mit meinem angeleinten Hund des Weges, geschniegelt, geschniegelt im Geiste der Vorschriften, geschniegelt im Vertrauen darauf, dass ein Schild nicht nur Dekoration ist. Uns entgegen: drei Hunde. Frei. Ungebunden. Ein bisschen wie ihre Besitzer.

Hund Nummer eins nimmt sofort diplomatische Beziehungen zu meinem Vierbeiner auf – ungefragt, versteht sich. Die Leine? Ein optionales Lifestyle-Accessoire. Hund Nummer zwei wird immerhin halbherzig eingefangen und angeleint. Man will ja nicht komplett gesetzlos wirken.

Und dann ist da noch Hund Nummer drei. Ein Freigeist. Ein Individualist. Ein Gourmet.

Denn zwischen uns liegt – wie bestellt – ein stattlicher Misthaufen am Ackerrand. Während Frauchen ruft, bittet, beschwört („Hiiiier! Komm! Jetzt aber!“), trifft Hund Nummer drei eine klare Entscheidung: Heute gibt es Delikatessen.

Er steuert zielsicher den Haufen an und beginnt, sich den schönen Dingen des Lebens zu widmen. Frauchen eilt hinterher, empört, entrüstet, beinahe persönlich beleidigt – nicht etwa über den eigenen unangeleinten Hund, sondern über die Existenz des Misthaufens.

Und dann fällt der Satz des Tages:
„Kaum ist der eine Haufen weg, liegt schon der nächste da.“

Man muss diesen Satz kurz wirken lassen.

Da steht also ein Hund, der gerade genüsslich das Buffet eröffnet hat, weil er – entgegen der klaren Regel – frei herumläuft. Und die Schuldfrage ist bereits geklärt: Der Misthaufen. Der Bauer. Das Universum. Nur ganz sicher nicht das andere Ende der (nicht vorhandenen) Leine.

Ich gehe weiter und denke: Das ist sie, die große gesellschaftliche Parabel im Kleinformat.

Erstens: Regeln gelten immer nur für die anderen. Schilder sind Empfehlungen, Gesetze situativ, und die eigene Freiheit endet grundsätzlich erst dann, wenn sie wirklich unbequem wird.

Zweitens: Verantwortung ist ein Wanderpokal. Wenn etwas schiefgeht, findet sich immer jemand oder etwas, das noch schuldiger ist als man selbst. Notfalls eben ein Misthaufen, der es gewagt hat, einfach da zu liegen, wo Natur nun mal stattfindet.

Und drittens – vielleicht das Wichtigste: Einsicht ist heute oft das Einzige, was konsequent an der Leine geführt wird.

Una und ich gehen also weiter. Angepasst, angeleint, ein bisschen altmodisch vielleicht. Aber immerhin mit dem beruhigenden Gefühl, den Fehler nicht allzu lange suchen zu müssen.

Er stand direkt vor mir. In dreifacher Ausführung.

Una, die Zerstörerin

Ein Jahr Hund, zwei Jahre Corona – da wurde einiges zerstört. Corona war dabei subtil; Una hingegen direkt. Mehrere Brillen, Baseball-Caps, Socken, Schuhe, Rucksäcke und vor allem der Rasen mussten unter ihrer Langeweile leiden. Und mein Geldbeutel – nicht zu vergessen! Doch sie ist ruhiger geworden. Aus dem frechen Welpenmädchen ist ein Pubertier geworden, dass nur noch selten die Fangzähne auspackt um ihrer Zerstörungswut zu frönen.

Dankenswerter Weise haben wir eine gute Hundehalter-Haftpflichtversicherung und so konnten zumindest die Schuhe und der Rucksack von unseren Gästen, die beim Sushi-Essen ahnungslos ihre Habe auf der Treppe abgestellt hatten, ohne weitere Belastung unseres eigenen Kapitals bezahlt werden.

Ein neues Kapitel beginnt…

HEUTE!

Heute Abend gegen 20.15 Uhr mitteleuropäischer Zeit werde ich auf dem IKEA-Parkplatz in Wallau stehen und auf meinen neuen Hund warten – dank Sardinenhunde e.V., einem Verein der sich um die Vermittlung von Hunden auf Sardinen bemüht.

Doch erst mal zur Vorgeschichte: Lange Zeit konnte ich mich mit meinem Wunsch nach einem neuen Hund nicht durchsetzen. Mein Mann wollte mehr Freiheit; ein Hund bedeutete für ihn aber Pflichten und Einschränkungen. Das Leben ohne Hund ist ja auch in der Tat flexibler zu gestalten – man/frau kann kommen und gehen wann man will. Aber es fehlt was.

Dann hat sich meine Tochter im letzten Jahr einen Hund über Sardinienhunde e.V. angeschafft. Ein bildschöner Maremanno-Mix mit blonden Locken . Nuvola. Wölkchen. Ein Traumhund! Und schon war er wieder da, der zehrende Drang nach einem eigenen Hund. Am Anfang nur sanft, doch immer drängender, je weniger ich „Nola“ zu sehen bekam. Ich besuchte also immer wieder die Seite des Vereins und schaute Hundebilder. Viele Hundeaugen blickten mir entgegen, aber bei einem blieb ich nachhaltig immer wieder hängen. Lustigerweise ein Hund ohne Namen. Mädel 1! Tochter von Libera. Eins von 3 Welpen, die erst vor kurzem nach Olbia in die Hundestation gekommen waren. Sie sah aus wie Jule, nur eben als Baby. Und dann war es geschehen. Dieser Hund oder keiner.

Die Anfrage war schnell geschrieben, die Antwort kam fast genauso schnell zurück. Ich war in der engeren Auswahl. Und nun, nach Videos von unserem Zuhause und zahlreichen Telefonaten mit Vorstandsmitgliedern, die mich offensichtlich für würdig befunden haben einen Sardinienhund zu betreuen, kann ich es vor Nervosität kaum noch aushalten. Seit 5 Uhr bin ich wach. Warte auf die nächste Nachricht in der WhatsApp-Gruppe, die mir den Status der Fahrt des Hundetransporters mitteilt. Das Auto ist gepackt und wartet mit Hundebox, Kuscheldecken, Leinen und vielem mehr auf die Abfahrt… Lupita kann kommen!

https://sardinienhunde.jimdo.com/2-chance/huendinnen/lupita-liberas-welpen-m1/

Aber wir werden sie Una nennen. Una heißt auf italienisch 1. Denn wenn eines bleibt, dann ist es der erste Blick auf den Hund, der die nächsten Jahre unsere Mitbewohnerin sein wird: Mädel 1!

Prolog – 4 Monate ohne sie…

Seit nunmehr 4 Monaten ist Jule nicht mehr bei uns. Ich musste oder besser gesagt wollte sie in Leipzig lassen. Die Heimfahrt mit meinem toten Hund im Auto über 400 Kilometer konnte und wollte ich nicht ertragen. Außerdem wollte ich sie in Erinnerung behalten, wie ich sie zuletzt gesehen hatte: lebendig!

Mit der Zeit sind die Phasen an denen ich an sie denke, weniger geworden. Nicht mehr hinter jedem Schatten an der Eingangstür beim Heimkommen und jeder Bewegung im Garten vermute ich sie. Das war anfangs kaum zum Aushalten. Wenn mich dann die Realität einholte und ich realisierte, dass es doch nur der Wind oder ein anderes Trugbild war, dann war es, als bekäme ich einen Eimer kalten Wassers über den Kopf gekippt und ich musste unweigerlich mit den Tränen kämpfen! Ich vermisse sie so sehr und hadere mit mir, ob ich nicht doch etwas falsch gemacht habe. Ob das Absetzen der Mistel-Therapie zugunsten des Hanföls ausschlaggebend für das zuletzt sehr schnelle Wachstum des Tumors verantwortlich war oder nicht, werde ich wohl nie erfahren.

Anfang des Jahres erfuhr ich nämlich von einem krebskranken Hund aus dem gleichen Ort, dessen Lungen-Karzinom aufgrund der Einnahme eines speziellen Hanföls nicht mehr weiter gewachsen sei. Auch bei ihm war der Verlauf nach Auffinden der Krankheit und Medikation mit deren Mittel der Wahl wie auf wundersame Weise zum Stillstand gekommen. Somit dachte ich, es sei nicht schlecht einmal auch ein anderes Mittel auszuprobieren. So begann ich im Juni Jule Hanföl zu geben. Hätte ich es nur gelassen! Weil ich nicht 2 Mittel gleichzeitig geben wollte, setzte ich die Mistel-Therapie im Sommer aus, denn die Wirkungsweise des Hanföls wurde gleichlautend beschrieben. Kaum 4 Wochen nach Absetzen der Mistel-Therapie kamen die Beschwerden wie zu Beginn der Krankheit zurück und wurden rapide schlimmer, bis ich mir nicht mehr zu helfen wusste und überstürzt mit Jule den Weg nach Leipzig antrat.

Heute würde ich es nicht mehr tun und weiter das Mistel-Präparat verabreichen, denn im Nachgang fiel mir ein, dass wir bereits einmal das Mistel-Präparat reduziert hatten und daraufhin das Wachstum des Tumors ebenfalls unverhältnismäßig war. Was mir ebenfalls aufgefallen ist, war die Tatsache, dass der Tumor sich entsprechend den Jahreszeiten verhielt. Im Herbst und Winter war das Wachstum ganz gering und jedes mal im Sommer explodierte der Tumor regelrecht. Dies ist zwar nicht repräsentativ und wurde von den Ärzten in Leipzig auch als Zufall beschrieben, aber wer weiß..?

Dies nur als Hinweis für andere Betroffene, die unseren Weg wählen. Bewährtes sollte man nicht ohne Not ändern!

Hundehimmel

Nach unserem letzten Besuch in Leipzig Ende Mai kamen wir mehr als zuversichtlich nach Hause. Die OP war einfach und Professor Oechtering mehr als zuversichtlich. Er habe so viel entfernt, dass er den nächsten Besuch erst in 6 Monaten plante. Die Freude über so viel Zuversicht ließ uns fast glauben den Tumor besiegt oder wenigstens in Schach zu haben. Doch kaum 2 Monate später wurden wir eines besseren belehrt.

Die Beschwerden begangen wieder, es kam Blut aus der Nase und Jule schnarchte wieder wie bei Beginn ihrer Krankheit. Dies ließ mich wieder Kontakt mit Leipzig aufnehmen und um Rat zu bitten. Inhalieren und Schleimlöser waren bei den Leipziger Ärzten wieder das Mittel der Wahl und Jule sprach gut darauf an, sofern man sie zum inhalieren bewegen konnte. Das fand sie nämlich gar nicht toll.

Dank einer Gesichtssauna meiner Schwester wurde dies aber bald zur Routine und es genügte, wenn wir das Gerät vor den liegenden Hund stellten und Jule mit Kochsalzlösung oder einer Soledum-Wasser-Mischung bedampften. Da die Beschwerden aber nicht besser wurden, sondern stagnierten, bat ich um einen zeitnahen Termin zur Kontrolle. Dieser war gestern und was soll ich sagen, mein ungutes Gefühl hat mich nicht getäuscht. 10 vor 12 Uhr rief der Professor an und teilte mir mit, dass der Tumor sich in alle Richtungen ausgedehnt hätte. Auch der Schatten auf der Lunge war gewachsen. Nach seiner Prognose würde die sehr große Wunde, die die gestrige OP hinterlassen hat, nach verheilen die Atemwege wieder sehr schnell verschließen. Seine Prognose: Jule hätte noch etwas 14 Tage zu leben.

Schweren Herzens und um den Leidensweg meines geliebten Hundes nicht noch weiter zu verlängern, bat ich Professor Oechtering Jule, die sich noch in Narkose befand, einschlafen zu lassen.

Jule wurde 11 Jahre und einen Tag alt!

F I N

Leipzig – wir kommen wieder!

Am Sonntag fahren Jule und ich wieder nach Leipzig. Dieses Mal werden wir wieder von Lea begleitet und freuen uns sehr darauf. Die Beschwerden halten sich aktuell noch sehr in Grenzen und die Atemgeräusche lassen auf ein geringes Wachstum des Tumors schließen, und das, obwohl seit der letzten OP schon 4 Monate vergangen sind. Klingt toll, muss es aber nicht sein. Vielleicht hat sich der Tumor ja in die andere Richtung ausgebreitet und wandert jetzt, wie der Professor schon befürchtet hat, in Richtung Gehirn.

Aber das sind nur schlimme Vorahnungen und nichts, was irgendwie bestätigt ist. Am Montagabend wissen wir sicherlich mehr!

Oh weh, der Rücken…

Nachdem die Schmerztabletten alle waren, zeigte sich ein größeres Problem beim Spaziergang. Eigentlich hätten wir es merken sollen, da Jule keine Treppen mehr laufen wollte und sich schon beim Einsteigen ins Auto sehr schwer tat: der Rücken tat weh.

Nach nur einigen Metern beim Spaziergang ließ sie den Kopf hängen und wollte nach Hause. Manchmal legte sie sich auch spontan hin, was den Rückschluss nahelegte, da stimmt was ganz und gar nicht. Wahrscheinlich war die Lagerung während der stundenlangen OP verantwortlich, denn Jule leidet unter Spondylose; aber letztendlich ist es auch egal. Der Zustand musste verbessert werden. Folglich setze ich wieder Metacam ein um ihr ein schmerzfreies Laufen zu ermöglichen. Und siehe da: nach 3 Tagen Metacam-Kur geht es wieder.

Hoffentlich bleibt es auch so!