Herzlich Willkommen auf Hundenase.info – hier erfahren Sie alles über unseren Umgang mit einem bösartigen Nasentumor bei unserem Hund Jule

Ich bin Jule und habe einen Nasentumor (genauer: ein Chondrosarkom). Der Bösewicht hat nicht nur mich, sondern auch meine komplette Familie wochenlang um den Schlaf gebracht. Wie wir damit umgegangen sind, welche Erfahrungen wir gemacht haben und wie es mir geht, das könnt ihr hier nachlesen, damit alle Interessierten erfahren, wie es uns dabei ergangen ist und welche Mittel und Wege es gibt, dem Krebs zu begegnen…

Und nun kommt meine Geschichte…

Als Mischling im Tierheim gelandet. Nichts Ungewöhnliches im heutigen Deutschland. Gefunden und geliebt zu werden, obwohl die Prognosen mehr als schlecht sind, das ist schon eher ungewöhnlich. Zu einem Prachthund zu mutieren und binnen kürzester Zeit zum Liebling der Familie (und Nachbarn, Passanten einschließlich der Postfrau) zu werden, das ist ein Traum, den wohl jeder Hund gerne träumen würde – äh, träumen Hunde eigentlich?

Ich war knapp 5, als mich mein Frauchen im Internet zum ersten Mal sah. Damals war ihre Riesenschnautzer-Mischlingshündin Emma gerade mal 2 Monate tot. Gestorben an einem unbemerkten Milz-Tumor, der das Organ komplett zerfressen hatte. Emma war zwar vorher schon schwer krank, und hatte neben einer operierten Cauda Equina auch noch die seltene Krankheit Morbus Cushing, aber sie war dank erfolgreicher Medikation quietsch videl und nicht leidend.

Ob es letztendlich die vielen Medikamente waren oder einfach nur Schicksal: eines Morgens, sie war abends zuvor noch ganz normal Gassi und es gab keine Anzeichen einer weiteren Erkrankung, da wollte sie nicht mehr aufstehen und brach dann, kurz nach den ersten Gehversuchen, nach einigen Metern vor der Haustür zusammen. Die erschütternde Diagnose, nachdem die Tierärztin um die Ecke Emma direkt in die nächste Tierklinik verwiesen hatte (Tierklinik Bretzenheim bei Bad Kreuznach): die Milz war zerfressen, der Bauchraum voller Blut. Das Ultraschallbild brachte die grausame Wahrheit ans Licht.

Der behandelnde Notfall-Tierarzt riet dringend, den Hund „gehenzulassen“. „Wir können sonst nichts mehr für Emma tun!“, so die erschütternde Aussage.

Alleine – ohne Beistand ihrer Familie, die zu diesem Zeitpunkt in Ski-Urlaub war – traf mein Frauchen die Entscheidung. Schweren Herzens, denn sie wollte nicht, dass das Tier über Gebühr leidet, ließ sie Emma, die bereits in Narkose lag, einschlafen.

Doch nun zurück zu mir, Jule.

Mein Frauchen wollte unbedingt wieder einen Hund, am Liebsten wieder eine Schnauzer-Mischlingshündin wie Emma. Doch die Suche im heimischen Tierheim Worms blieb erfolglos und so bemühte sie das Internet und klapperte alle umliegenden Tierheime mit Homepages ab. Im Tierheim Heppenheim an der Bergstraße wurde sie fündig: da saß Stacy mit schlechter Vermittlungschance! Eine Mischlingshündin, die sich leider nicht mit anderen Hunden versteht, eher kompliziert und schwer zu handhaben (so die Beschreibung) blickte ihr dort von der Homepage entgegen. Schwarz, kluge Augen, Rasse Mischling – so stand es da.

Das war ich!

…und nun die Geschichte aus Besitzersicht.

Kaum gesehen, fuhr ich auch schon los Richtung Bergstraße. Das Tierheim Heppenheim war schnell gefunden und der gesuchte Hund auch. Beim Gassi-Gang lernten wir uns kennen. Dabei fiel mir auf, dass Stacy zum einen nicht auf ihren Namen hörte und zum anderen gar nicht war wie beschrieben. Sie hatte keine auffallenden Probleme mit anderen Hunden, hörte und befolgte einfache Kommandos; so als wollte sie demonstrieren was in ihr steckt. Also alles halb so wild, dachte ich und erzählte stolz meiner Familie von der Begegnung.

Das zweite Treffen war schnell arrangiert und fand gemeinsam mit meiner Tochter statt. Hier kamen wir beim Ausführen in einen Gewitterschauer und wurden ordentlich naß. Stacy aka Jule schien das aber mit einer stoischen Ruhe durchzustehen, obwohl sie offensichtlich Angst hatte und Wasser ziemlich blöd fand; tapferes Tier, dachten wir und so entschieden wir uns, sie direkt mitzunehmen um das Verhalten zuhause zu checken.

Dieses war untadelig und so durfte sie sofort bleiben, allerdings mit einer Einschränkung – der Name musste geändert werden. Aus Stacy wurde Jule – das hatte sich mein Mann gewünscht.

Nun, nach 4 unkomplizierten Jahren wo nur mal ein Zecken-, Milben oder Flohbefall die Idylle trübten, kam im Sommer auf einmal ein fieser Schnupfen mit Nasenausfluss daher. Wir dachten natürlich sofort an einen Heuschnupfen, denn es wurden gerade die Felder gemäht. Doch nachdem es nach einigen Tagen nicht besser wurde, besuchten wir unserenTierarzt in Gundersheim. Dieser gab Jule erst mal homöopathische Mittel und nahm einen Abstrich.

Nach einigen Tagen kam das Ergebnis: sehr resistente Bakterien.

Also wurde Antibiotikum verschrieben. Nach einer Woche waren die Beschwerden aber leider noch nicht besser und Jule nahm, nach Röntgen und Feststellen, dass kein Fremdkörper in der Nase zu erkennen war, das Mittel weitere 2 Wochen. Auffällig war allerdings, dass der Ausfluss nur aus einem Nasenloch kam.

Weiteres Antibiotikum wollte unser Tierarzt danach nicht mehr verschreiben. „So ein Schnupfen braucht seine Zeit!“, so sein Kommentar. Also wurden weitere homöopathische Mittel verabreicht.

Kosten der Behandlung beliefen sich mit Röntgen auf circa  600 Euro.

Nach insgesamt 5 Wochen bekam Jule am Wochenende kaum noch Luft durch die Nase und so kamen wir Notfall-mäßig in die Tierklinik Frankenthal ; beim Termin beschlossen wir abschwellende Mittel zu versuchen und dann ein CT des Kopfes machen zu lassen. Hierbei kam eine Wucherung im rechten Nasengang zutage mit Schädigung des Knochens. So wurde umgehend eine Biopsie des Gewebes veranlasst. Der Verdacht der behandelnden Tierärztin war aber damals schon: maligner Tumor.

Kosten dieser Behandlung: Circa 760 Euro ohne Folgemedikamente.

Leider bestätigte die Biopsie – die 10 Tage auf sich warten ließ – diesen Verdacht nicht, sondern lautete lediglich auf chronische Rhinitis. Wir sollten das Ganze noch mal machen, so der Vorschlag aus Frankenthal.

Wir beschlossen erneut zu wechseln und visitierten eine Tierärztin in Heppenheim an der Bergstraße, die wir seit diesem Zeitpunkt zur behandelnden Tierärztin unseres Vertrauens ernannten. Sie stand uns Rede und Antwort, erläuterte mit uns alle Pros und Contras und war ebenfalls der Überzeugung, eine eindeutige Diagnose müsse her. Hierzu nahmen wir die Tierklinik Hofheim am Taunus ins Visier, die – so dachten wir – im Schlimmsten Falle auch operieren können sollte. Eine OP hatte Frankenthal abgeleht.

Für den Fall der Fälle begannen wir vorsorglich eine Misteltherapie und gaben darüber hinaus noch Metacam als COX-2-Hemmer und das Aufbaumittel „Support Life Tabs“.

In der Tierklinik in Hofheim am Taunus wurden wir schnell auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Ein schneller Termin in der Onkologie war machbar, aber die behandelnde Oberärztin wollten ein neues CT machen, dessen Bezahlung ich aber aufgrund der vorhandenen Aufnahmen ablehnte. Dann bekäme ich es umsonst, so die Aussage, aber gleich verbunden mit der Frage, ob ich nicht nach Metastasen schauen lassen wollte. Da bräuchte man dann aber ein noch umfangreicheres Bildmaterial; auch dies lehnte ich dankend ab, weil es keinerlei Hinweis auf Metastasen gab – bis jetzt hatte ich ja nicht mal bestätigt bekommen, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelt. Lediglich ein Lymphknoten war leicht angeschwollen.

Es wurde also eine weitere Biopsie durchgeführt und Jule konnte kurz darauf (und ich wieder 860 Euro ärmer) mit mir nach Hause fahren. Allerdings nicht ohne den Hinweis, dass in Hofheim diese Art von Neoplasien nicht operiert würden, sondern bestrahlt: weitere Kosten von 2500 Euro bis 5000 Euro, je nach Bestrahlungsart und Dauer. Der letzte Satz der Onkologin war aber besonders wichtig für uns: geheilt werden könne Jule aber auch so nicht!

8 Tage später kam der Anruf aus Hofheim; die Biopsie habe nichts ergeben. Aber es hätte schon Fälle gegeben, da habe erst die vierte Biopsie ein Ergebnis gebracht.  Na toll!

Zurück in Heppenheim bei der Tierärztin unseres Vertrauens folgte die Überlegung: wer in Deutschland kann sowas operieren? Denn eins war klar: Jule bekam kaum noch Luft durch die Nase und das musste dringend behoben werden, denn im Schlaf können Hunde nur durch die Nase atmen. Es gäbe nur 2 Adressen für eine solche OP, erläuterte unsere Tierärztin: Eine Klinik in Hamburg-Barmbek und die Uni-Tierklinik in Leipzig . Dort hatte unsere Tierärztin ein 1-wöchiges HNO-Seminar gemacht und war von den Methoden des Chefarztes begeistert.

Also alle Unterlagen gesammelt und ab per Post nach Leipzig mit der Bitte um Beurteilung, ob der Tumor operalbel sei. Natürlich per Einschreiben… und dann hieß es mal wieder – warten, warten, warten.

Als ich 3 Tage später noch nichts gehört hatte, schrieb ich eine Mail an die Tierklinik, ob die Unterlagen angekommen seien?

…und dann ging auf einmal alles ganz schnell. Dienstag Vormittag um 11 Uhr kam ein Anruf im Büro. Die Ärztin, die die Unterlagen noch nicht vorliegen hatte, sondern nur die Mail, fragte mich nochmal nach allen Details und wie spontan ich sei. „Sehr, wenn es sein muss“, so meine Antwort.

„Morgen 8 Uhr bei uns“, entgegnete mir die Dame – es sei eine große OP abgesagt worden und dies sei unsere Chance.

Also ab nach Hause, Hotel gebucht, gepackt und mit Sohnemann und Hund nach Leipzig aufgebrochen – 460 Kilometer einfach.

Einchecken im Hotel Berlin, die sehr liebevoll ein Körbchen und Futter sowie Wasserschüssel für den Hund bereitgestellt hatten und am nächsten Morgen dann in die Tierklinik. Nach Erläuterung aller wichtigen Details und der Feststellung, dass solche Neoplasien tatsächlich fast immer bösartig seien, mussten wir uns von Jule trennen und es hieß wieder warten, warten, warten.

Um 12 Uhr kam ein Anruf vom Professor persönlich; nach Begutachtung aller vorliegenden Details – auch hier wurde ein neues CT angefertigt – wollte er noch einmal aufs Deutlichste die Gefährlichkeit der OP darstellen; wenn ein großes Gefäß im Tumor sei, dass geöffnet würde, dann könne die Blutung nicht gestoppt werden und der Hund würde verbluten.

Ob während einer OP in Narkose verblutet oder nachts im Schlaf erstickt – da sei ja wohl Ersteres die bessere Variante, so meine Auffassung, und ich gab erneut das Okay für den Eingriff. Und wieder warten, warten, warten…

Wer meint, ich hätte dadurch das Warten gelernt, der sei hier eines Besseren belehrt!

Um 17 Uhr – mein Sohn und ich hatten gerade beschlossen einzukaufen – kam der Anruf vom Professor im Kaufland Leipzig zwischen den Regalen für Haushaltartikel.

Er klang denkbar geschafft, so als sei er einen Marathon gelaufen; die OP habe mehrere Stunden gedauert und sei jetzt erfolgreich beendet. Er habe so viel vom Gewebe entfernt, wie eben gegangen sei und dies solle nun erneut biopsiert werden. Der Hund müsse aber zur Beobachtung und für den Fall, dass Komplikationen (Nachblutungen) auftreten sollten, über Nacht in der Klinik bleiben.

Uff… erst mal Erleichterung bei uns. Von großem Jubel hingegen sahen wir, ob der ungünstigen Örtlichkeit, vorerst ab und gönnten uns dann eine Flasche Rotkäppchen Sekt im Hotel – die war zwar halbtrocken, aber wenigstens gekühlt.

Am nächsten Morgen konnten wir Jule um kurz vor 12 Uhr abholen. Keine Atemgeräuche mehr, sie konnte ganz normal Luft durch die Nase holen. Jippie!

Eine Woche später kam dann der Anruf aus Leipzig. Das Ergebnis war da: ein Chondrosarkom. Mein erlangtes Wissen über diese spezielle Art von Tumor werde ich bald hier mit euch teilen.

Die letzte Hoffnung auf einen gutartigen Tumor war also dahin. Wie lange Jule noch hat, hängt nun vom erneuten Wachstum des Tumors ab. Anfang November haben wir einen neuen Termin in Leipzig. Da wird kontrolliert und falls nachgewachsen, wieder so viel wie möglich entfernt.

Dies kann aber nicht ewig so gehen, erläuterte uns der Professor bereits beim letzten Mal.

Wir werden sehen. Warten sind wir ja inzwischen gewohnt!

Und selbstverständlich werden wir weiter berichten…

 

2 Antworten auf „Herzlich Willkommen auf Hundenase.info – hier erfahren Sie alles über unseren Umgang mit einem bösartigen Nasentumor bei unserem Hund Jule“

  1. Hallo.
    Ich war in Urlaub und komme erst jetzt dazu mich wieder der Hundeseite zu widmen.
    Leider musste ich einen Teil des Kommentars mangels Bezug zur Seite löschen.

    P. Sonek

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